Zehn Gebote zur Zusammenarbeit mit Cuttern

Die zehn Gebote zur Zusammenarbeit mit Cuttern

Der Editor, das unbekannte Wesen.

Die meisten Kollegen und Kolleginnen, mit denen man als Editor direkt zu tun hat, sind nette wertschätzende, Profis. Sie wissen zu schätzen, was sie an der Person haben, die neben ihnen vor der Bildschirmparade sitzt, wie eine Kräuterhexe unverständliche Flüche flüstert, scheinbar beschwörend auf den Bildschirm starrt, um dann wieder Zaubersprüche in die Tastatur zu hacken.
Sie schätzen diese eigenwilligen Menschen, die Tag ein Tag aus im Dunkeln hocken und gelegentlich mit technischem Kauderwelsch um sich werfen, wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie es soll.

Aber wer zum ersten mal in einen Schnittraum kommt, dem können vielleicht diese zehn kleinen Tips helfen, leichter zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem seltsamen Geschöpf dort im Halbdunkeln zu finden.

Dieses ist die Adaption und Übersetzung eines Beitrags von Zack Arnold, einem Editor aus Hollywood über die Zusammenarbeit mit Cuttern: „The Ten Commandments of Working with Editors“

Zack ist sehr ausführlich in seinem Artikel und seine Ausführungen beziehen sich oft auf andere Arbeitbedingungen als bei uns. (Mehr Verantwortung, aber auch mehr Wertschätzung und mehr Geld)  Ich nehme mir daher die Freiheit heraus, die einzelnen Punkte etwas zu kürzen und auf die Situation hier anzupassen.

(So, ab hier werde ich die Stolper * und /innen weg lassen. Es sind im folgenden grundsätzlich immer alle möglichen Geschlechter gemeint. Ich nutze das männliche stellvertretend, da es am ehesten zu mir selbst passt.)

Hier also nun die zehn Gebote zur Zusammenarbeit mit Cuttern von Zack Arnold.

(Übersetzt und bearbeitet von Michael Noller)

Brummbär. Einzelgänger. Keyboard monkey. Höhlenmensch. Einsiedler.
Das sind nur ein paar der Bezeichnungen, die mit denen von uns assoziiert werden, die berufsmäßig Video und Film schneiden.
Und sie sind nicht zu 100% falsch. Klischees wachsen oft aus einem wahren Kern.

(Anmerkung des Übersetzers: Bei uns überwiegen da wohl andere Bezeichnungen. Da diese aber meist vor dem Schnittraum fallen und nicht, in meinem Beisein, belasse ich es mal bei Zacks Sammlung. Schreib mir doch mal in den Kommentaren, welche Begriffe ihr für Cutter so mitbekommen habt.)

Keine Frage, Cutter sind einzigartige kreative Kreaturen, die oft von Producern, Regisseuren und Kunden missverstanden werden:

  • In den meisten Fällen arbeiten wir lieber allein.
  • Wir bekommen nicht viel Sonne ab (dir sagt “Sonne” nichts?  Hier, lass es mich für dich googlen).
  • Wir können irrwitzig zwangsneurotisch werden, wenn es darum geht, Dinge auf unsere Art zu machen.
  • Wir mögen es nicht, gesagt zu bekommen, was wir machen sollen.
  • Und wir werden richtig grantig, wenn ihr unsere Tastatur anfasst. (Tut mir leid, ist nicht persönlich).

Wenn du als Producer (bzw. Autor) oder Kunde auf der Couch im Schnittraum sitzt (ja ja, ich weiß, bei uns muss man schon bei den ganz wichtigen Produktionen dabei sein, um einen Schnittraum mit Couch zu sehen), und dich quälst um zu verstehen, wie dein Cutter tickt und wenn du besser verstehen willst, wie wir funktionieren, hoffe ich, dass die folgenden „Gebote“ dir ein paar wichtige Einsichten geben können.

[Author’s Note: [..] (die lasse ich hier mal aus.]

Die zehn Gebote zur Zusammenarbeit mit Cuttern

  1. Du sollst die einzigartige Persönlichkeit eines jeden Cutters respektieren.
  2. Du sollst verstehen dass der kreative Prozess Zeit braucht.
  3. Du sollst Geduld üben und verstehen “das wird schon.”
  4. Du sollst den Prozess nicht micromanagen (Ich weiß kein passenderes Wort auf deutsch).
  5. Du sollst  verstehen, dass wir mehreren Herren dienen müssen.
  6. Du sollst Kollege sein, nicht Boss.
  7. Du sollst nicht an unseren Schnitten herumbasteln (oder sonst was an-tatschen).
  8. Du sollst akzeptieren, dass Cutter keine technischen Zauberer sind.
  9. Du sollst akzeptieren, nicht alles geht per “fix in post.”
  10. Du sollst akzeptieren, dass Schnitt unser Beruf und unsere Leidenschaft ist, – aber nicht unser Leben.

 

1. Gebot

 

Du sollst die einzigartige Persönlichkeit eines jeden Cutters respektieren.

Gott schuf nicht alle Cutter gleich. Wir sind keine Maschinen mit ein und den selben Werkseinstellungen. 

 

 

In einem viel beachteten Artikel aus 2016, umreißt der Producer Damien Dayton (herablassend) The Four Types of Video Editors You Will Meet (Die vier Cutter-Typen, die du treffen wirst). Er führt detailliert die Stärken und Schwächen des “Musikers,” des “Technikers” des“Malers,” und des “Geschichtenerzählers” auf.  Damien verfehlt dahingehend das Ziel, als dass wir nicht so einfach in Schubladen zu stecken sind. Andererseits liegt er nicht völlig daneben. Es gibt tatsächlich die unterschiedlichen Neigungen, Stärken und Schwächen, die wir alle als kreative Profis haben.

Einige Cutter sind eher der Typ “Musiker” mit starkem Rhythmusgefühl und der besonderen Gabe mit Musik zu arbeiten, aber das heißt nicht, dass sie Scheiße am AVID sind oder darin eine schnelle Farbkorrektur zu machen.

Einige Cutter sind eher “Maler” die sich für Bildgestaltung begeistern und ihre eigenen Fotos an die Wand hängen, aber das disqualifiziert sie nicht als schlechte „Storyteller“.

Und Cutter wie ich ( meint Zack, nicht ich den Übersetzer!), die sich hauptsächlich als “Storyteller”sehen, können überraschender Weise auch ein Händchen für Rhythmus und Timing haben, oder können mal schnell einen split-screen einbauen [..].

Wenn du eine dauerhafte (und Stress-freie) „Beziehung“ mit demjenigen, mit dem du den abgedunkelten Raum teilst, führen möchtest, nimm dir etwas Zeit, um seine/ihre Stärken und Neigungen zu verstehen, aber ohne sie vorschnell in eine Schublade zu stecken.

(Ich denke, ab hier hat jeder den Punkt.  Zacks weitere Ausführungen könnt ihr ja im Original lesen.)

 

2. Gebot

Du sollst verstehen dass der kreative Prozess Zeit braucht.

Schnell. Preiswert. Gut. – Wähle zwei!

Top Qualität ist dir wichtig, aber leider ist kein Budget da, meine Überstunden zu zahlen? Kein Problem. Dann erwarte das Ergebnis aber nicht in fünf Minuten.

 

Wir haben es verstanden: Du brauchst es am besten gestern, oder neudeutsch: ASAP.

Tatsache ist, die ständige Ansage an uns, wir hätten unsere Arbeit unverzüglich fertig zu stellen, hat die Abkürzung bei uns schon in ein Verb transformiert:

“Hey, warum so in Eile?” – “Ach. Ich wurde schon wieder ge ASAP’t .”
(Kannte ich noch nicht, hoffe, ich kann das bald mal anbringen.)

So einfach es scheint, abzuschätzen, wie lange etwas dauern wird anhand der Anzahl der Punkte auf der ToDo-Liste;
der kreative Prozess kann verschlungene Wege gehen.
Es ist nicht immer einfach, eine genaue Deadline anzugeben, wann ein Schnitt oder eine Reihe von Änderungen fertig für eine Abnahme ist.  Eine Liste von fünf Anmerkungen kann auch mal einen ganzen Tag in Anspruch nehmen und eine andere Liste mit 50 Anmerkungen braucht dagegen vielleicht nur 30 Minuten. (Und dabei ist es nicht einfach zu erklären, welche Art von Anmerkungen schnell zu bearbeiten sind und welche Art länger dauert. Das hängt stark vom einzelnen Produkt und dem Workflow in der bestimmten Produktion ab.)

Wir tun unser Bestes, unsere Arbeit so schnell wie möglich abzuliefern – doch es ist uns als Kreativ-Profis nahezu unmöglich, in unseren Augen unfertige Arbeit abzuliefern.

Jeden Tag immer unser Bestes zu liefern braucht Zeit.

(Zacks weitere Ausführungen zielen speziell auf seine Arbeit für amerikanische TV-Serien ab und betreffen wohl nur für einen eher kleineren Teil der Cutter in Deutschland zu.)

 

3. Gebot

Du sollst Geduld üben und verstehen “das wird schon.”

Nur weil etwas jetzt noch nicht zu funktionieren scheint, heißt es nicht , dass es letztendlich nicht genau so wird, wie du es dir vorgestellt hast, oder sogar besser.
Vertraue uns…letztendlich, kommen wir ans Ziel.

 

Ohne Zweifel hattest du eine klare Vorstellung davon, wie dein Projekt aussehen würde, wenn es fertig geschnitten ist. Jetzt, nachdem du die erste Schnittfassung gesehen hast, hast du dieses fürchterliche Gefühl im Bauch  (und vielleicht den Drang dich zu übergeben) weil das, was du dir da anschaust NICHTS damit zu tun hast, was du dir vorgestellt hast. Vielleicht gab es Produktionsumstände, von denen du hofftest, sie würden auf magische Weise unsichtbar werden, wenn das Stück erst zusammen geschnitten ist. Vielleicht ist die erste Schnittfassung zwanzig Minuten länger als erwartet…

Akzeptiere, dass das als Teil des Prozesses 100% normal ist.
Es ist wie das Schreiben: Du musst erst mal einen schlechten Entwurf schreiben, bevor du den großartigen Entwurf entdecken kannst. Schnitt funktioniert letztendlich wie Schreiben und ist genau so wichtig.

Und auch wenn dein Buch perfekt ist und beim Dreh alles nach Plan lief, heißt dass nicht das die erste Schnittversion automatisch magisch wird, mit Null Platz für Steigerung. Wir waren schon so oft in dieser Situation, und während du vielleicht kein Licht am Ende des Tunnels entdecken kannst, können wir es schon. Atme tief durch, entspann dich, und lass uns dich hin führen.

 

4. Gebot

Du sollst den Prozess nicht micromanagen.

(mein Lieblingsgebot. ;-))

Es ist nicht hilfreich, wenn alle paar Augenblicke jemand vorbeischaut um zu fragen, wie man voran kommt.

 

Noch weniger können wir es brauchen, wenn uns permanent jemand über die Schulter guckt und jeden „work-in-progress“ Tonschnitt kommentiert, der noch nicht sauber klingt. Das wissen wir! Wartet, bis wir unsere Arbeit gemacht haben.

Wenn von uns als Cutter irgendeine kreative Arbeit gewünscht wird, ob es nun ein aufwendiger erster Schnitt einer Dokumentation ist, der Wochen dauern kann, oder nur eine kleine Liste von Änderungen, die in weniger als einer Stunde erledigt sind, gibt es eigentlich nur zwei wichtige Fragen:

  1. “Was möchtest du erledigt haben?” (habe das mal geändert. Erscheint mir sinnvoller)
  2. “Wann möchtest du es sehen?”

Haben wir erst mal den Level der Erwartung verstanden und wissen, wann wir was zeigen sollen, haben wir, was wir brauchen.

Sag uns, was du erwartest und zu wann du es erwartest, dann können wir kurz abstimmen, wie der Workflow am besten für alle passt. Das reicht uns.

Übrigens: Nur weil wir uns gerade mal ein paar Schritte vom Schnittplatz entfernt haben und unsere Finger gerade nicht wie wild auf der Tastatur herumhacken, heißt das nicht, dass wir nicht an deinen Änderungen arbeiten.

Kreativität passiert nicht immer nur am Computer.

 

5. Gebot

Du sollst verstehen, dass wir mehreren Herren dienen.

Sprich mir nach: Dein Notfall ist nicht automatisch mein Notfall.”

Nur weil jemand etwas ASAP (siehe Gebot 2.) braucht, heißt das nicht automatisch, dass in unserem Kalender Platz ist, sofort zu liefern.

 

Die Chancen stehen ziemlich gut, dass wir neben der Arbeit mit dir noch an anderen Projekten arbeiten, mit einem Sender, mit einem Regiseur, einer Werbeagentur, oder anderen, die auch wichtig sind. (mal etwas freier)

Cutter sind wie Kinder, die zwischen den geschiedenen Eltern stehen. Wir bekommen Rückmeldungen von vielen Seiten und die Meinung jeder einzelnen Person ist wichtig, doch der Tag hat nur eine begrenzte Zahl an Stunden um jeden glücklich zu machen.

[..]

Bevor du annimmst, dass dein Notfall auch unserer ist, frage einfach nach: “Hey, das ist gerade reingekommen und super wichtig. Meinst du, du hast Spielraum das zu erledigen?”

Und  ist dein Notfall wirklich der wichtigste, dann sollten wir das kurz mit allen Betroffenen absprechen und die Prioritäten festlegen.

Die erste Regel der Postproduktion: Niemals etwas einfach voraussetzen.

 

6. Gebot

Du sollst Kollege sein, nicht Boss.

Behandelt uns als Partner mit dem selben Ziel: Das beste Produkt abzuliefern.
Eure Dominanz über uns popeligen “Knöpfedrücker” zu behaupten ist definitiv nicht die beste Strategie uns zu helfen unser ganzes Potential zu entfalten.

Auch wenn das bisher vielleicht etwas anders rüber kam, Cutter LIEBEN Zusammenarbeit. Wir verstehen unsere Aufgabe als Dienstleistung. Aber hier ist der Punkt:—wir mögen es mit „Anführern“ zu arbeiten, aber nicht für  „Bosse“.  Und ob du nun faktisch unser Boss bist oder nicht: behandle uns einfach nicht wie “Ich bin der Boss”, nach der Art “my way or the highway”.  (Gar nicht lustig, wenn der Produktionsleiter beim Fernsehsender auf den Kommunikationsversuch, das eine Aufgabe aus klar belegten Gründen mehr Zeit braucht beendend antwortet: „Es gibt auch andere Cutter.“)

(Im folgenden müsste ich eigentlich ein Postulat einfügen. Zack schreibt hier, Cutter werden engagiert wegen… das ist bei uns leider in vielen Fällen schon nicht mehr so, daher wäre einsollte“ passender.)

Wir Cutter werden (neben unseren technischen Fähigkeiten) engagiert wegen unseres kreativen Geschmacks und unserer fachlichen Meinung. Uns so zu behandeln, als würde unsere Meinung eine Rolle spielen (auch wenn sie manchmal scheiße ist) ist der direkteste Weg, die beste Arbeit von uns zu bekommen.

Wir Cutter arbeiten gerne mit euch, aber nicht unter euch.

 

7. Gebot

Du sollst nicht an unseren Schnitten rumbasteln oder sonst was anfassen

Ja, habe ich gehört… Avid Media Composer bietet jetzt eine kostenlose Version an. Oder du hast jetzt auch Premiere Elements zuhause, oder  Final Cut Pro X?. Schön.

Merke: Schnittsoftware zu haben macht eine Person genau soviel zum Cutter , wie QuickSteuer einen zum Buchprüfer macht.

Stell dir vor, du stehst neben Michelangelo während er ein großes Kunstwerk direkt vor deinen Augen auf seine Leinwand zaubert. Nun stell dir vor, jemand kommt herein mit einem Pinsel, den er im Baumarkt gekauft hat, um das Werk etwas aufzupolieren…
(Ok, die meisten Dinge, an denen ich arbeite haben nicht im entferntesten etwas mit wahrer Kunst und soviel Genialität zu tun, wie Michelangelos Werk, das Zack hier anführt, doch was er sagen will, stimmt schon: Es gehört wesentlich mehr dazu, ein guter Cutter zu sein. als das Schnittprogramm zu bedienen.)

[..]

Wenn wir an unserem Schnittsystem experimentieren oder basteln, denkt daran, das der Schnittplatz unser natürlicher Lebensraum ist. Unser zuhause. Lass unsere Tastatur in Ruhe, unsere Monitore (und erst recht die USB-Anschlüsse).

Und bitte: Nutzt den Schnittraum nicht als euren Konferenzraum während wir Änderungen machen. Wir hängen doch auch nicht in euren Büros rum, um Termine beim Arzt zu vereinbaren, während ihr arbeitet.

 

8.Gebot

Du sollst akzeptieren, dass Cutter keine technischen Zauberer sind.

Ein Cutter weiß meistens sehr gut, was geht, und was nicht geht.

 

 

Vertraue uns, wir wünschten uns sehnlichst, wir könnten einfach die Gesangspur der Musik ausschalten und nur die Instrumentalversion des umwerfenden Songs, den ihr auf i-Tunes gefunden habt, nutzen. Doch die traurige Wahrheit ist: Cutter sind keine Zauberer und Postproduktion ist nicht Hogwarts.

Wir können nicht alles.

Entschuldigung, wir haben kein PlugIn, mit dem man die fertig gemischten Tonspuren des Archivmaterials wieder trennt.

[..]

Und nein,, wir können nicht „mal eben“ das Reklameschild da im Hintergrund der 30 unterschiedlichen aus der Hand gedrehten Takes weg retuschieren. (Ich kann das schon, aber nicht mal eben, sondern das dauert Stunden mit einer Spezialsoftware wie Mocha pro und nur so nebenbei: Die Software kostet Geld, der Rechner, auf der sie installiert ist kostet Geld, sich die Fähigkeiten anzueignen, damit umzugehen kostet zeit und damit Geld und auch meine Arbeitszeit hat einen Wert.)

Wir können auch kein 4GB HD ProRes Material mal eben an eine Email hängen (oder per wetransfer schicken) so dass du mal eben drüber scheuen kannst. dafür gibt es übrigens ein cooles Tool namens Frame.io. Kannst du hier ausprobieren.

Wenn du immer noch überzeugt bist, wir seien Zauberer, die alles in der Postproduktion retten können lies weiter bei Gebot 09.
(Auch wenn ich weiß, was Zack hier meint, sehe ich mich doch schon ein wenig als Zauberer. Ich kann vieles machen, was zunächst nicht möglich scheint, aber das braucht Zeit und viel Erfahrung und mein persönliches aufgerüstetes After Effects. Mit anderen Worten: Es kostet. Es kostet Zeit oder Geld, eigentlich beides. Frei nach dem Spruch:

Unmögliches erledigen wir sofort, Wunder dauern etwas länger.

 

9. Gebot

Du sollst akzeptieren, nicht alles geht per “fix in post.”

Den letzten beißen die Hunde:
Der Drehtermin rutscht nach hinten? -> Weniger Zeit im Schnitt.
Der Hintergrund ist unansehnlich? -> Machen wir in der Post unscharf.
Beim Dreh kein Weißabgleich? -> Machen wir in der Post.

 

Solltest du es leid sein, alles auf den letzten Drücker fertig zu haben und du dich fühlst als drehst du dich im Kreise, während mal alles wieder per “fix it in post“ läuft,  was hältst du davon, die Postproduction-Leute mal in die Pre-Production mit einzubinden? Schon bevor gedreht wird? Wir sind zwar normalerweise nicht viel beim Dreh dabei, aber wir wissen mit Sicherheit, so einiges darüber, wie sich einige Dinge vermeiden lassen, die später viel unnötigen Aufwand in der Post bedeuten.

(Hier schreibt Zack „avoiding potentially disastrous mistakes that can cost millions of dollars to fix two days before final delivery“ ich sollte dringend in die USA auswandern. Er redet hier zwar vermutlich von Serien wie „Games of Thrones“ oder so, aber die Größenordnung übersteigt völlig die Vorstellungskraft der deutsche Medienlandschaft. Ich habe schon einiges gezaubert, dass höchsten Ansprüchen genügt und das auch über Nacht, aber mehr als wenige hundert Euro kommen da hierzulande nicht bei herum.)

 

10.Gebot

Du sollst akzeptieren:
Schnitt ist unser Beruf und unsere Leidenschaft , – nicht unser Leben.

Das Leben als freier Cutter ist kein Kindergeburtstag.

 

Betrachte ich die Opfer, die es braucht (und den brutalen Lebensstil) um eine erfolgreiche Karriere als Cutter aufzubauen und fortzuführen, wage ich zu spekulieren, dass der größte Teil von uns diesen Job macht, weil er dieses Handwerk liebt und sich einfach nicht vorstellen kann, sein Geld anders zu verdienen. Nichts desto Trotz berechtigt das niemanden, sich Vorteile auf Kosten unserer Zeit zu verschaffen.

Du magst vielleicht schon Jahre in ein Projekt gesteckt haben. Vielleicht hast du persönlich schon unheimlich viel in das Projekt investiert (inklusive der zweiten Hypothek auf dein Haus und den Rücklagen für das Studium deiner Kinder). Aber das macht es nicht besser, wenn du …
– uns um unbezahlte Überstunden bittest, oder
– uns über ein vereinbartes Enddatum an einem Projekt verpflichtenwillst, ohne zusätzliche Bezahlung, oder
– einen Schlafsack mit in den Schnittraum bringst, weil “das eine lange Woche wird”.

Mag sein, dass du so viel in das Projekt hineingesteckt hast, aber du erntest auch bei Erfolg entsprechend.
Egal, wie erfolgreich dein Projekt ist, wir werden nach dem gleichen Satz bezahlt.

Übrigens: Unsere Bank akzeptiert für die Kreditraten keine “Namensnennung im Abspann”

Und am wichtigsten: bevor ihr eine Arbeitsumgebung kultiviert, die uns das Gefühl gibt, dass wir unsere Kinder nur noch über Skype aufwachsen sehen, nimm dir eine Sekunde und rücke deine Perspektive zurecht. Wir kreieren hier Unterhaltung um unseren Unterhalt zu verdienen… Wir heilen nicht Krebs oder so.

Wir sind ein Team

Nachdem nun alles gesagt ist und wissend, dass du dich an diese Gebote halten wirst, werden wir die Kraft haben, die Inspiration und die Hingabe, dir außerordentliche Arbeit zu abliefern.
Auf eine erfüllende Zusammenarbeit und ein Endprodukt auf das wir alle enorm Stolz sein können.

Ready to get to work now? So are we.

 

 

Zehn Gebote zur Zusammenarbeit mit Cuttern
Dieses Poster stelt Zack Arnold auf der Seite von Frame.io zum Ausdrucken zur Verfügung. Dort findet ihr auch denoriginal Artikel. https://blog.frame.io/2018/10/29/editors-10-commandments/

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