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„Damals war`s“ (05.07.09) weiter ganz oben trotz hohem s/w-Anteil

Die aktuelle Folge von „Damals war´s“, gesendet am 05.07. erreichte auch nach neuer Zählung Spitzenquoten: Mit 15,4 % sahen ca. 570.000 Zuschauer im Sendegebiet des MDR die Sendung und das trotz fast ausnahmslos scwarz-weißen Archivmaterials.
Geschnitten habe ich die Sendung wieder bei Studio DD in Leipzig zusammen mit Autor Jens Berger und Rechercheur Olaf Häßner. Viel Zeit beanspruchte dabei diesesmal die Aufbereitung des Archivmaterials.

Da es sich um meist sehr altes Archivmaterial handelte, (in der Zeitmessung des Fernsehens) gab es viel zu korrigieren.  Hier mal ein kurzer Abriß dazu.Jaja – die frühen Jahre des deutschen Fernsehens. Kaum nötig, zu erwähnen, dass die Fernsehtechnik noch lange nicht so weit entwickelt war. Der sauber bespielte Bereich des PAL Bildes war kleiner eben so wie der Kontrastumfang. Es gab eine systembedingte Kantenanhebung, die das Bild, zum Teil auf den alten Fernsehgeräten sogar besser erkennbar machte, aber heute das Material teilweise reliefartig aussehen lässt. Doch das wesentliche Problem:
In den ersten Jahrzehnten des Fernsehens gab es noch keine Magnetbandaufzeichnung, was dazu führt, dass nur wenig Material verfügbar ist, da Fernsehsendungen meist live ausgestrahlt und eben nicht aufgezeichnet wurden.  Wurden sie doch aufgezeichnet, dann, indem mit einer Filmkamera eine Fernsehmattscheibe abgefilmt wurde. Dass dieses Material eine berauschende Qualität aufwies, kann man sich vorstellen.
Schön, mag einer denken, Film ist ja noch immer das beste, was es gibt. Leider sind aber die Quellen, die zur Verfügung stehen nicht diese originalen Filmaufnahmen des Fernsehbildes, sondern diese wurden ihrerseits meist im Laufe der Jahrzehnte irgendwann auf Video umkopiert.-  Zum Teil sogar mehrfach. Unter Umständen wurde das Material sogar vorher auf film noch nachgeschnitten, Klebestellen härteten aus oder lösten sich, wurden schlecht geflickt und das Material wurde beim übertragen auf Video durch verdreckte Projektoren geschickt… . Stammt das Material dann noch aus DDR-Zeiten, dann gute Nacht.
Schließlich hält man Material in den Händen, das extrem Grob in der Auflösung, schwach im Kontrast aber mit stark überhötem Kontrast an den Kanten ist. Das Material ist verrauscht und enthält dazu Filmkörnung, Filmschmutz, Kratzer und schlechte Klebestellen, an denen das Bild in Helligkeit sowie horizontaler und vertikaler Lage springt. Dazu finden sich 1-Zoll-, 2-Zoll-, U-Matic- oder Betacam-DropOuts, -Schrammen oder ähnliches. Mit etwas Glück, alles auf einmal. Eine wundersame Zeitreise durch die Macken der Bewegtbildverarbeitung. Um allen am Schluß noch die Krone aufzusetzen, müssen wir dann auch noch den Spagat schaffen das Material in eine Sendung im 16:9 Format zu packen. Aus Zuschauerfeedbacks geht dabei klar hervor, dass diese eine weitere Letterbox nicht wünschen. Klar, die meisten Zuschauer der Zielgruppe haben einen älteren 4:3 Fernseher, der ihnen bei 16:9 schon ein kleineres Bild liefert mit zwei schwarzen Blaken oben und unten. Nun packen wir da wieder eine Letterbox rein, die das Bild rechts und links einrahmt? Und da beeindruck ihn auch ein schönes Muster, oder eine dezentrale Ausrichtung nicht. Also muss, wo es irgend erträglich das Bild aufgeblasen und beschnitten werden, damit der Zuschauer sein gewünschtes Vollbild erhält.

Ich plane, demnächst einige Tutorials zum Thema Umgang mit Archivmaterial zu erstellen. Themen könnten sein:

  • Dropouts entfernen auf dem Avid
  • Filmklebestellen und ihre Tücken
  • schwarze Halbbilder bei alten Fernsehaufzeichnungen
  • 4:3 auf 16:9 – Probleme und Lösungsmethoden
  • Cache und Vignettierung
  • Tonwertkorrektur und Rauschen
  • Ton: Korrelationsfehler und andere Tücken

Mal sehen, wie weit ich komme. Bis denne…

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